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03.06.26


“I have always liked the ocean, the promise of depth. I am tired of this dry world, with all of its dust and sickness, these barren fields.”

      Clementine von Radics, from Mermaid in “Mouthful Of Forevers” 

 

11.11.25

der seiltänzer


das mädchen im blauweissen shirt sitzt stundenlang in derselben position
und blickt aufs meer hinaus
am gang lehnt ein junger mann an der halboffenen tür seines abteils und sieht den möwen zu
seine zigarette verglüht hinter ihm unbeachtet zu asche
der lokführer hält eine antike seefahrtskarte in der hand
er blickt sinnend auf den blankpolierten kompass
schaltet die geräte ab und lehnt sich zurück
grünes meerwasser spritzt auf die scheibe
ein buntgewandeter seiltänzer tanzt 10 meter über der meeresoberfläche
die enden des seils verschwinden im dunst am horizont
was für ein schöner anblick das ist, murmelt schläfrig eine alte frau am fenster
ich wollte ihn doch immer noch einmal sehen
er verneigt sich leicht, während sie ihm leise applaudiert


23.05.20

über das verschwinden

tief luft holen....und langsam untertauchen. die augen weit öffnen, keine angst vor dem brennen des salzwassers. das licht färbt die wasserfläche über dir in grün, von dem du oft geträumt hast, funkelndes grün, das es auf der erdoberfläche nicht gibt. die luft reicht noch aus, sinke tiefer. langsam verschwindet das funkeln, vereinzelt sickert noch licht zu dir herunter. langsam gewöhnst du dich wieder an schwerelosigkeit, auch deine gedanken werden leichter, weicher. bis du dich auflöst und ganz zu verschwinden scheinst. doch langsam kommst du selbst wieder zum vorschein. was bleibt von dir, wenn alles schwere von dir genommen wird? wer bist du? jede zelle in deinem körper schwingt auf einer frequenz, die musik gleicht. tauch noch tiefer und lass die augen weit offen.
du lässt die luft aus deinen lungen entweichen, myriaden von luftbläschen umgeben deine schwebende gestalt

es ist der beste augenblick, der gleichzeitig ein abschied ist.
der mann liegt auf der wiese vor dem haus und blickt in den himmel. seine haare trocknen langsam im wind. immer wieder blickt er zum meer hinüber, dann wieder zum himmel. als wären dort in den urelementen alle antworten enthalten, die er immer gesucht hat.
weit über ihm taucht ein vogel ins blau, immer weiter, bis er verschwindet, sich aufzulösen scheint.
geht es darum, um's eintauchen, um das verschwinden? schreibt er in sein notitzbuch, das vor ihm im sand liegt. müssen wir uns selbst vergessen, um das wirkliche leben zu finden? müssen wir uns erst auflösen, um ganz zu werden?


ich kannte einmal ein mädchen, schreibt er weiter, ein mädchen, das irgendwie bescheid wusste. manchmal erzählte sie darüber, über das verschwinden. sie sagte, sie würde es gerade lernen. es wäre eine kunst, die lebenslanges lernen erforderte. wenn sie darüber sprach, lag etwas sonderbares in ihren augen, etwas wildes, ungezähmtes. etwas, was nicht menschlich wirkte. nur ein wildes kind, schreibt er weiter. ein wildes kind, mehr nicht, und mehr wollte sie auch nie sein. er fragt sich, ob sie es inzwischen geschafft hatte, wieder ein stückchen mehr zu verschwinden. um ihrer heimat näher zu sein.

26.10.18

ich träumte von der wilden grünen see
doch ach nun bin ich aufgewacht
und sterblich bin ich geworden
das funkeln des ozeans bricht sich in meinen tränen
und nichts ist mir vertraut in dieser welt aus feuer und asche
ich halte den kopf hoch und zeige ihnen meine schmerzen nicht
was sie sehen, ist nicht die wahrheit,
ein konstruiertes bild einer mechanischen puppe
die lacht und weint und isst und schläft...


es war einmal vor langer zeit ein stern, der sich in den ozean verliebte. er sagte dem himmel adieu und sprang in die grüne see. er konnte nicht schwimmen und er ertrank, doch wo er starb, schufen die götter eine insel. atlantis, das funkeln im ozean. und man sieht es noch, in unseren augen, wenn das licht sich in unseren tränen bricht.

ewige liebe, über den tod hinaus, die liebe zum ozean, das heimweh nach dem himmel, das erbe des sterns.


was einst zerbrach, wird nicht mehr heil. einzig die erinnerung lindert unsere grausame qual.
wenn himmel und ozean sich in liebe umarmen, führt eine lichtspur zum himmel empor.
wie soll ich nun weiterleben, sagt die puppe, die gleichzeitig lächelt und weint
sagt mir, ihr götter, ihr sterne, sag du mir, du grüne see,
was soll ich nun tun?

12.11.17

strawberry shortcake


Sie hatte es tatsächlich geschafft, sich einen Tag freizunehmen. Nun war sie endlich am Meer, wie sie so oft geträumt hatte, sah endloses Grün, weisse Gischt, darüber den blauen Himmel und irgendwie war sie fast zu glücklich für einen allein. 
Ja, sagte sie. Ja.Ja.Ja.
Es klang so komisch, dass sie lachen musste. Und immer, wenn sie lachen musste, bekam sie Hunger. Ein kleiner Stand mit rotweiss gestreiftem Sonnenschirm befand sich direkt gegenüber der Mole, über die sie gerade gekommen war. Sie bestellte einen Erdbeerpie, den echten Strawberry Shortcake, zum Mitnehmen, und ass ihn, während sie am Strand entlangschlenderte. Der Junge vom Stand sah ihr nach und lächelte. Eine echte Meerjungfrau, sie braucht kein Kostüm, keinen falschen Fischschwanz, keine Glitzerketten, nichts. Die ist echt, dachte er. Keine Frage. Schon wie sie ging und immer ein bisschen zu nah am Wasser, als würde sie die See magnetisch anziehen. Anscheinend war ihr egal, dass ihre Schuhe dabei nass wurden. Sie hatte diese ungezwungene Art, die er bei Frauen so mochte, sie war selbstsicher, aber nicht auf diese aggressive Art, die moderne Frauen heute zur Schau stellen, wohl nur, um ihre Unsicherheit zu überspielen. Er dachte daran, wie ein Date mit ihr sein mochte. Und sah ihr lange nach, bis eine ungeduldige Kinderstimme ihn aus seinen Träumen riss. Eine kleine aufgetakelte Meerjungfrau, schon für die Mermaid-Parade aufgestylt, mit ihrer stolzen Mom im Schlepptau, die den Fotoapparat gezückt hatte, um jeden Schritt der Kleinen fürs Familienalbum festzuhalten. Natürlich musste er ebenfalls mit aufs Bild. Sein Lächeln fiel etwas dünn aus, aber er bemühte sich redlich, obwohl es ihm schwer fiel. Am liebsten hätte er den Stand im Stich gelassen und wäre der Frau von vorhin nachgelaufen, hätte irgendwo Blumen gekauft und wäre dann vor ihr gestanden, wie ein Schulkind, ausser Atem und verlegen. Wollen Sie mich heiraten? Er grinste. Sie würde wohl umkippen. Ich habe Sie vorhin zum ersten Mal in meinem Leben gesehen, und wollen Sie mich heiraten und mit mir viele kleine Meerkinder haben? Seltsam, aber es kam ihm plötzlich völlig normal vor, so zu handeln. Konnte gut sein, dass ihm der Wahnsinn, der hier ringsumher herrschte, langsam zu Kopf stieg. Eine neue Fähre legte an und entliess eine Woge von Tüll, Satin und bunten Bikinitops.

Die Mole war ein glitzernder Catwalk geworden, auf dem urbane Meerjungfrauen flanierten. Glitzerstaub flirrte in der Luft wie eine besonders schöne und tödliche Sorte von Feinstaub oder Smog, er wischte sich über die Augen. 
Barbiepuppen mit langem blondem Kunsthaar, viel nacktes gebräuntes Fleisch, einiges eindeutig falsch, Beachschönheiten mit perfekten Figuren. Aber keine Meerjungfrauen, dachte er und wunderte sich über sich selbst. Keine einzige echte Meerjungfrau. Bis auf die eine, die er heiraten wollte. Er fragte sich, ob die Ehe mit einer Meerjungfrau komplizierter sei als eine normale Ehe mit einer normalen Menschenfrau. Und wie die Kinder aussehen würden. Hübscher als Menschenkinder. Natürlich. Er lächelte einer Barbiepuppe in Blau und Silber unbewusst ins Gesicht und zuckte zusammen, als sie sein Lächeln strahlend erwiderte und Anstalten machte, näherzukommen. Sie würde sowieso nur eins dieser Lightprodukte bestellen, das ekelerregende Diät-Erdbeereis, das momentan so beliebt war. Sie war wie alle hier, vorhersehbar, geistlos und unsagbar langweilig. Als sie an den Stand kam, bediente sie sein Kollege und er war dankbar dafür. Er täuschte vor, sie zu spät gesehen zu haben und zuckte lächelnd mit den Schultern, als sie wieder ging und ihm einen bedauernden Seitenblick zuwarf, dann war sie schon in der Menge verschwunden, was er garantiert nicht bedauerte. Er sah sie 10 Minuten später auf der Mole für Fotografen posieren wie ein Model, es sah unsagbar bizarr aus, was sie da betrieb, denn sie hatte ihren Fischschwanz angelegt und hoppelte linkisch die Planken entlang wie ein gehbehindertes Kaninchen.

+++

Ein leichter Wind kam auf und brachte Salz und eine Spur Sand, wahrscheinlich tödlichen Glitzersand vom Meerjungfrauengestade, der ihn für immer blenden würde, wenn er ihn in die Augen bekäme. Es kam natürlich genau so, wie er es vorhergesehen hatte, eine gehörige Portion salziger Sand zusammen mit dem hell gleissenden Licht drang mitten in seine Augen, und in der Woge von Licht und Wind, der vom Meer kam, stand sie plötzlich vor ihm am Stand und lächelte ihn an, vielleicht hoffte er ja nur, dass sie es tat, sie schien jedenfalls zu lächeln. Im Moment konnte er eigentlich nur erkennen, dass es eindeutig sie war, er kannte ihre Umrisse, er hatte ihr ja lang genug nachgesehen, ihr Abbild geisterte noch immer auf seiner Netzhaut herum, als wäre er ein Spiegel, in den sie geblickt hatte. Er kam sich sagenhaft dämlich vor. Stand vor ihr und wischte sich Sand und Tränen aus seinen Augen, die sicher verquollen waren, als hätte er Heuschnupfen. Es war nicht zu fassen. Das Szenario, das er sich vorhin noch vorgestellt hatte, war plötzlich weit weg. Er, der Kavalier, der ihr wie in einem Kitschfilm Blumen überreichte und sie, wie sie erstaunt und ein wenig scheu nach den Blumen griff und dabei seine Hände berührte. Eine langfingrige Hand, die ein Papiertaschentuch hielt. Er sah staunend auf diese zarten Finger, sogar ihre Finger hatten etwas meerjungfrauenhaftes, sie waren schmal und elegant, sie trug einen goldenen Ring mit einem kleinen Seestern aus Türkis, der sich mit  ihrer warmen leuchtenden Haut in wunderbarer Harmonie verband. 
Ihr Handgelenk schmückte ein schmaler Goldreifen. Natürlich hatte sie keine Schwimmhäute zwischen den Fingern. Vielleicht wuchsen sie ihr erst im Wasser. Die bewundernswerte Hand wedelte nun nachdrücklich mit dem Taschentuch vor seinem Gesicht. Sah fast so aus, als würde jemand die weisse Fahne hissen, um zu signalisieren, dass er in Frieden gekommen war. Es war süss, wie sie vor seinem Gesicht herumwedelte. Vielleicht war er auch über und über mit Sand bedeckt, wer weiss. Er stellte sich vor, wie er aussah, ein kleines Häufchen Sand, und wie sie ihn gesehen hatte - die menschliche Sanddüne - und schon aus Mitleid herangekommen war, um ihm wieder seine menschliche Form zurückzugeben.

Sie war nicht sandig, natürlich nicht. Sie sah frisch aus wie gerade aus dem Wasser gehüpft.
Er nahm das Tuch an, murmelte verlegen seinen Dank und wischte sich den Sand aus den Augen.
Als er sie klar sehen konnte, war sein erster Gedanke: Die ist zu schön für mich. Die Schneekönigin entführt den kleinen Kai, nur dass diese hier nicht mit Eis und Schnee und Rentieren und einem Schlitten ankommt, sondern mit grünen Meereswogen, gleissendem Licht und Seepferdchen, die ihren Wagen ziehen. Meerschaum. Blinkende Wellen. Er sah sie an. 
Ihr Mund lächelte immer, er war an den Mundwinkeln hochgezogen, wie bei einem Delphin. Irgendetwas an ihr war anders als vorhin, als er sie zum ersten Mal gesehen hatte, doch genau konnte er es nicht sagen, es war eine subtile Veränderung, sicher nichts äusserliches.
Das Mädchen leuchtete von innen, als hätte sie Licht getrunken.

Fortsetzung folgt  (hoffentlich bald... die Muse muss mich wieder wahrnehmen und bestenfalls küssen!)

27.07.14

fundstuecke

spaziergang bei kaltem wind | eisgrüne wellen, am grund blutrot, wohl eine spiegelung der sonne, die durch ein verästeltes netzwerk von wolkengebilden leuchtet, die sonne selbst wirkt kalt



treib-holz ..
glas-sand ..

hohle knochen ..
windharfen ..
schnappscheren ..
jodgelbe verbände ..
pflaster ..
blutiger mull

meerschaum wie das blut das lungenkranke husten
rosig, frostig 
brechreizerregend


es ist heute so kalt
manchmal ist es traurig hier draussen
wenn man in diesen seltenen momenten der klarsicht bemerkt, dass man nie etwas begriffen hat
vielleicht weil man es nicht wollte



ich höre die meerjungfrauen nicht mehr


22.11.13

bin verzogen, ans meer...

ich weiss nicht .. vielleicht ziehe ich ganz hierher und bleibe für immer hier. es ist so, als würde man mental an einen besseren ort ziehen als man vorher war. ich war eigentlich immer einigermassen zufrieden mit meinem leben. früher. und alles war aus gewohnheit ganz gut, man ist in seinem stil gefangen und man fühlt sich nicht wirklich schlecht, fast schon geborgen. aber in letzter zeit sind mir dinge aufgefallen, die früher nicht da waren. eine grössere sensibilität, eine noch grössere sehnsucht nach ruhe und einer gewissen form von abgeschiedenheit von allem, was an uns mit getöse und gedröhn vorheirauscht und uns nichts bringt ausser stress und gehetztheit. müdigkeit an orten, wo ich früher gern war und heute nur noch aus gewohnheit. ich würde so gern woanders sein. im echten leben und natürlich auch mental. am meer natürlich, und umgeben von leuten, die entspannt sind und mit denen ich gern kontakt habe. es ist nur so: sollte ich wirklich hierher ziehen, werde ich meine früheren mentalen probleme, all den giftmüll, nicht hierher mitbringen. das alles bleibt draussen vor meiner tür. nichts davon hat hier platz.

wie gesagt, es kann gut sein, dass ich hierher ziehe, die tür sacht hinter mir ins schloss fallen lasse, und nie wieder zurückkomme.

bin verzogen, ans meer...

09.11.13

winterfest


küstenlogbuch | vorbereitung auf den winter


die ersten schneeflocken waren gefallen, zwar war nichts liegengeblieben, aber der richtige schnee würde bald kommen, das war sicher. und dann die winterstürme, die die wellen zu bergen auftürmen würden, zu eisgrauen, kalten bergen. er liebte das meer, auch wenn es wild und bedrohlich aussah und er mochte auch den wintersturm und den graupeligen eisregen, der die haut wie mit tausend nadeln sticht. heute war ein klarer tag. man konnte in die weite sehen. endlos, wie in einen blauen spiegel, der am rand jedoch eine leichte aschgraue färbung angenommen hatte. funkelndes blau, an den rändern grau. lichtgrau, so typisch für diese gegend, ein phänomen für sich. auch darum liebte er diese gegend, wegen dem licht...wegen den lichtern.

sein herz war heute weit wie der horizont. er freute sich auf das, was noch kommen würde, es würde viel sein, fast zu viel für einen wie ihn...der das alles nie im leben erwartet hatte. natürlich hatte er gehofft. dass die kleinen träume, die für ihn schon zuviel waren, wirklich werden würden, aber er war eigentlich immer davon überzeugt gewesen, dass man nicht zu viel träumen darf. damit man nicht aufwacht und feststellt, dass man traurig geworden ist. die einstellung seiner grosseltern, die er für sich übernommen hatte. und dennoch drängten manche träume empor, als würden sie ein eigenleben annehmen.

wie ebbe und flut sind die träume, dachte er. es gibt zeiten, da drängen sie empor, als würden wellen an einen strand rollen. dann gibt es die kargen zeiten, wo sie sich zurückziehen und den träumenden fröstelnd und traurig zurücklassen. so war es einfach. nichts konnte man daran ändern. vielleicht waren die zeiten der ebbe nötig, so wie es die zeiten der flut waren. zur klärung. reduktion als klärung der gedanken und wünsche. was dann noch übrigbleibt, ist tatsächlich wahr. beide zeiten haben sinn, dachte er und hielt instinktiv ausschau nach seinem alten freund, dem einsiedlerkrebs, dem er solche dinge zu erklären gewohnt war. der junge liess sich heute aber nicht blicken. wahrscheinlich bereitete er sich ebenfalls auf den winter vor. er sollte es ihm gleich tun. nun ist wohl flut, dachte er, die träume kommen zurück, einige davon. andere sind wohl für immer verschwunden. und er wusste nicht mal mehr, welche es waren. er fühlte sich nur erleichtert. so, als wäre viel unnützer ballast von ihm genommen worden.

er warf einen kurzen blick zurück zum haus, das einladend aussah. die fenster blinkten in der wintersonne, als würde sie zwinkern. zeit für einen heissen kakao.
er verstaute sein kleines blaues boot unter der plane, überprüfte noch einmal, ob sie gut festgezurrt war und ging dann zurück zum haus.

in der küche war es warm und der kakao dampfte vor ihm. er sah lächelnd aus dem fenster und war zufrieden. der winter konnte kommen.

18.08.13

versteinerte muscheln

einmal war es gewesen, dass das meer bis zum haus gekommen war. das war lange bevor wir hier lebten.

heute kann man an den hausmauern noch genau sehen, wo einmal die wasserlinie war.
eine graue linie , ungefähr 20 cm über dem boden, darunter ist das mauerwerk eine spur dunkler als der rest. hellgrau mit kalkigen rückständen von muscheln, die sich damals auf der hausmauer festgesetzt hatten
weisse winzige kalkstücke, die wie stuck aussehen
und auch im garten kann man noch versteinerte muschelgehäuse finden,
wir sammeln sie und legen sie in die grosse schachtel, die wir am flohmarkt gekauft haben
und die jetzt im wohnzimmer ganz oben auf dem kasten steht

18.12.11

Cast your eyes on the ocean
Cast your soul to the sea
When the dark night seems endless
Please remember me


Dante's Prayer
Loreena McKennit

17.08.11

ein abend am meer

die lampen vor der taverne werden eingeschaltet und beleuchten die zufahrt. eine geheimnisvolle welt entsteht plötzlich da draussen im licht der sterne. der wind fährt leicht über die bäume und den garten, blätter und gräser rascheln. etwas bewegt sich leise durch den garten, wahrscheinlich streundende katzen, von denen es hier viele gibt. das rauschen des meeres klingt verhalten, wie aus einem traum, den man früher einmal hatte, als man nur davon träumen konnte und noch nicht hier war, an einem ort, den man schon heimat nennt, oder als das ziel bezeichnet. doch er ist nur eine zwischenetappe vor dem eigentlichen ziel, das dieser etappe jedoch sehr ähnlich ist. 

hier, in dieser taverne am meer, leben erinnerungen und vorahnungen auf, und sei es nur ein bruchstück des grossen und unendlich schönen ganzen. man geniesst hier, im mermaid's inn, man lebt am meer, man lebt auf, alles ist leicht und unbeschwert für diejenigen, die hierhergefunden haben und nun hier ihre tage und nächte verbringen, am meer... 
 jemand begibt sich vom ersten stock hinunter in richtung küche, die so gemütlich ist, dass man hier viel zeit verbringt. um zu lesen, briefe zu schreiben, zu zeichnen, nachzudenken. das fenster zum meer ist offen, man kann es hören, das rauschen der wellen, das so wunderbar entspannt, als würde man einer alten, vertrauten melodie lauschen. 

dieser jemand macht einen kleinen zwischenstopp in der bibliothek, greift sich einen stapel bücher und wandert damit den gang entlang, wo es immer ein bisschen nach seeluft riecht, bis er in der küche angelangt ist. dort macht er es sich an seinem lieblingsplatz bequem und beginnt, zu lesen.

02.02.11

mein diarium

wie fein, immer feiner, immer fragiler, immer angespannter, die sinne, die wahrnehmung, immer detaillierter, immer sensibler
wie ein schaukasten gefüllt mit insektenflügeln, fragmenten von beinchen und fühlern
eng beschriebene blätter, die schrift wird mit den jahren immer kleiner, genauer, gestochen scharf
wie mit der lupe geschrieben
zarte illustrationen am rand, federgezeichnet
verziert mit einem hauch blattgold, vorsichtig aufgetragen, schicht um schicht
kleine getrocknete blutspritzer, winzig, fein und ein teil der verzierung
blattadern, blutzellen, atemhauch
und am ende des diariums der winzigkleine eintrag

verzogen ans meer

22.10.10

wenn träume real werden...sterben sie?

logbuch

ist es nicht seltsam, dass man, wenn man träume wahr macht, diese träume für immer verliert? vielleicht ist es gar nicht mal so seltsam. bei mir war es immer das meer. ich habe nicht gemerkt, dass ich mich nicht nach einer bestimmten, hier bekannten destination sehne. ich verband die träume immer mit den wunderschönen bildern, die ich oft im netz betrachte, und irgendwann machte ich diese träume daran fest. ich dachte, ja.. dorthin fahren.. und dann habe ich einfach alles, was ich möchte. ich war in cornwall, diesen sommer. geträumt habe ich ja genug davon. ich war dort und war ernüchtert. es ist eine traumhaft landschaft, ja. noch schöner als auf den bildern. und trotzdem: ich war oft in diesem zimmer mit dem besten ausblick (man kann von dort aus direkt auf's meer sehen), habe geschaut und geschaut..und es war nichts da. gar nichts. weder in mir noch da draussen, denn ich bin meist der spiegel einer landschaft. und ich wollte weinen, doch es war auch das unmöglich. ich wurde müde vom schauen und warten. so habe ich sehr viel geschlafen, in diesem cottage am meer. oft ganze nachmittage lang, nur geschlafen.
cornwall war einer dieser träume, die irgendwann an substanz verloren, als sie real wurden. es war einfach nur schön. doch ist einfach nur schön genug für das, was ich erwartet hatte?

jetzt bemerke ich, dass sich ein traum wieder in den vordergrund drängt, als hätte er gewartet, dass ich bestimmte dinge erlebe, um sie danach in eine der vielen schubladen in meinem hinterkopf zu verbannen, wie so viele wahrgemachte wünsche, die diesem wunsch, cornwall einmal zu sehen, vorangegangen sind. ich beginne, mich wieder auf den ursprünglichen traum einzustellen. er wird gröser, gewinnt an substanz und stärke.

ich sehe ein kleines haus an der küste des meeres. nicht irgendeine küste, wie ich jetzt weiss. und nicht irgendein haus. ich sehe keine lebende seele, doch ich kann mädchenlachen hören. vom meer her kann ich sie hören, und wenn ich mich wirklich auf diesen traum einlasse..ist es gefährlich, sich darauf einzulassen? ist der traum selbst gefährlich?...ich weiss es noch nicht, aber ich werde es sicher herausfinden...wenn ich mich darauf einlasse, sehe ich im licht, das auf den wellen blitzt, etwas, das wie menschliche wesen aussieht. ganz weit weg, doch ich denke, sie sind real, sie müssen es sein, ich muss real sein, ich muss wieder real werden. jetzt komme ich zum punkt. ich muss real werden. wieder ich selbst. fühlen können. nicht diese leere spüren, die sogar verhindert, dass man weinen kann.

ich möchte tief schlafen, in diesem haus an der küste. in den weissen laken aufwachen und durch das kleine fenster sehen, das zum meer hinausgeht. ich möchte die spur von kleinen füssen sehen, die zum wasser hinabführt. und die das meer verwischt. ich möchte nach hause.

ich sehe zu den mädchen hinüber und fühle erleichterung, als hätte ich schmerztabletten genommen. die absenz von schmerz bzw. leid. ein aufatmen.
ist es nicht so, dass der gesang einer meerjungfrau nicht nur in den tod lockt, sondern auch heilen kann?

11.09.10

ich trage ein blaues band an meinem handgelenk,
das mich ans meer erinnert

01.09.10

ich war in meinen gedanken gerade abwesend, wieder am meer und kaufte spontan 2 gestreifte handtücher, eins rot-weiss, eins grau-weiss, mit einem winzigen bild von snoopi drauf, am unteren rand. ich dachte daran, dass wir zusammen sicher mal dort sein werden, in unserem haus am meer, und dass wir diese süssen dinger sicher brauchen werden, sie werden sandig sein, vielleicht kleben noch winzige muschelreste dran ich hab vor einiger zeit rot-weiss gestreiftes bistro-besteck gekauft, in einem metallständer zum auf den tisch stellen, ich dachte an die gilmore girls und lachte, es wird am tisch oder auf einer weisslackierten alten kredenz stehen. auf dem tisch stehen weisse kakaobecher und es gibt selbstgemachten kakao, der langsam köchelt, keinen instantkakao wir trinken ihn nach dem schwimmen, in der küche oder draussen auf der bank gefleckte muschelhäuser liegen auf der fensterbank wie aufgefädelt, ein kleines blaulackiertes boot liegt am strand, als würde es auf uns warten ich denke an unser haus am meer. beinahe hätte ich vergessen, davon zu träumen. eine zeitlang hatte ich vergessen, mich selbst nicht mehr ernst genommen. es gibt menschen, die zuviel träumen, sagten sie zu mir, menschen wie du, und dennoch, flüstere ich mit meiner wasserstimme zurück, und dennoch weiss ich mehr als ihr ein sternenbanner weht über dem eingang, sieben sterne auf blauem grund vom meeresgrund weht es frische luft herauf, auf den wogen flimmert ein hauch gold und wieder fühle ich mich so lebendig, als würde dieser traum allein mich am leben erhalten

02.03.10

ans meer...




siehst du, liebe herzkönigin, ich bewahre deine geschenke gut auf..
zum immer-wieder betrachten und mich freuen..
ausserdem musste es hierher!