30.08.20

Zum Andenken

Logbuch| Älterer Foreneintrag in der Archangelbar

Eine junge Frau sieht mich mit veilchenblauen Augen an. Ihr Blick bannt mich, hält mich fest und ich kann einfach nicht mehr klar denken. Weg schon gar nicht, obwohl ich es anfangs wollte, denn alles an ihr ist...so bunt, hippiebunt, blumenbunt. Beinah verlegen denke ich an mein schwarz, das immer war (und sein wird), ich versuche, mich abzuwenden, es geht nicht mehr. Ihr weiter Blick enthüllt Schicht für Schicht ein Kaleidoskop von Farben unter meiner schwarzen Umhüllung - Blumenfarben, strahlend bunt, grüne Wiesen, blauer Himmel, weiss bewölkt, Sternenlicht in ein Spektrum von Regenbögen aufgefächert, die aus meinen Augen scheinen. Sie sieht mich an. Hält eine Hand auf. Auf ihrer Handfläche liegt eine Vogelfeder. "Freiheit", denke ich, mir ist zum Lachen, doch ein Hauch von Melancholie schwingt mit, ich spüre Tränen in den Farben, doch noch mehr Freiheit - ein Aufbruch, denke ich - ja, ich möchte aufbrechen, ich will... was will ich nur... die Welt sehen? Auch. Glücklich sein? Sicher. Ich will wie sie sein, die ich bisher noch nicht kannte, sie, die Zauberin, die mich zur Reise drängt.

Sie sagt: "Ich bin dein Spiegel." Ich darauf: "Du bist nur ein Kind". Und sie: "Genau!"

Und ich will sie vergessen, doch ich muss sogar von ihr träumen: Ein Wohnwagen. Bleibt stehen, wo es schön ist. Hohe Bäume, ein weiter Himmel, unfassbare Bläue und wieder die Farben, ein Hauch von Trauer, leuchtende, glänzende Farben, Regentropfen fallen in ein scheues Blumensträusschen, so sachte und vorsichtig wie eine Liebkosung, eine streichelnde Hand ist der Wind geworden, ich spüre das Fernweh von Zigeunern und im Traum breche ich sofort auf, ich zögere nicht. "Etwas hat sich verändert", mitten hinein in veilchenblaue Augen rede ich, "Du zeigst mir den Ausgang". "Dafür bin ich ja da", sagen ihre Augen. Sie ist stumm, Bilder reden nicht und...

Ich habe dann das Bild gekauft, es hat noch keinen Rahmen, es ist schwer, ein solches Bild zu rahmen (versteht ihr?). Es war erst voriges Jahr im Sommer. Heute habe ich aus der Zeitung erfahren, dass der Maler der Veichenblauen Augen an Krebs verstorben ist.


Für Zeppl-Sperl, den ich leider nicht persönlich kannte, was mich jedoch nicht davon abhält, um ihn zu trauern.

21.08.20


“I was always an unusual girl.
My mother told me I had a chameleon soul, no moral compass pointing due north, no fixed personality; just an inner indecisiveness that was as wide and as wavering as the ocean.”

  Lana Del Rey


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