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03.06.26


“I have always liked the ocean, the promise of depth. I am tired of this dry world, with all of its dust and sickness, these barren fields.”

      Clementine von Radics, from Mermaid in “Mouthful Of Forevers” 

 

06.01.25

 (…) I am plunging.

I am sinking. I am not coming up for air.


I do not want all this human.


“

— Clementine von Radics, from Mermaid in “Mouthful Of Forevers”

23.02.22

 

While right-thinking Victorians were elevating woman into an angel, their art slithered with images of a mermaid. Angels were thought to be meekly self-sacrificial by nature: in this cautiously diluted form they were pious models of a good woman’s submergence in her family. Mermaids, on the other hand, submerge themselves not to negate their power but to conceal it… The mermaid is a more aptly inclusive device than the angel, for she is a creature of mysterious transformations and interrelations, able to kill and to regenerate but not to die, unfurling in secret her powers of mysterious pre-Christian prehuman dispensation.

 

Nina Auerbach, Woman and the Demon: The Life of a Victorian Myth



20.08.21

 

“Human?' The girl cocked her head the other way. I caught a glimpse of pink gills under her chin. 'My sisters told me stories of humans. They said they sometimes sing to them to lure them underwater.' She grinned, showing off her sharp needle-teeth. 'I've been practicing. Want to hear?”


     Julie Kagawa, The Iron King


20.11.19

important, somehow...


dark matter

ancient / primordial oceans

blood cells


17.11.19

wie sieht ein traum aus, wenn er alt wird und staub ansetzt? wie sieht ein traum aus, wenn man ihn nicht mehr mit tränen benetzt, wenn man ihn nicht mehr ins licht stellt? 
wo bleibt sein funkeln, sein flirren im licht?
wo bleibt seine kraft?
es war einmal deine kraft, die kraft, die du aus deinem traum  genommen hast. du hast den traum erzeugt...oder war er vielleicht schon vor dir da
warst du das ergebnis dieses traums?
du denkst immer, du erzeugst alle träume, doch wer weiss, vielleicht ist es genau das gegenteil, vielleicht wurdest du von diesem einstmals funkelnden, flirrenden sternartigen gebilde erzeugt und nun sieh dich an
so traurig 
wo ist dein traum jetzt? solltest du ihn nicht wieder zu dir locken, an diesem schönen, ruhigen morgen? 

lock ihn wieder an, lass ihn wieder ein und gib ihm alles, was er braucht, damit er dich halten und nähren kann. wir sind nicht nur fleisch und blut. wenn es so wäre, wäre alles einfacher und so viel langweiliger. wir sind ein traum. das ergebnis eines traums. 
und wir wenden uns irgendwann ab, vor allem, wenn irgendetwas so weh tut, dass wir uns mit dingen des alltags panzern, aus angst, noch mehr zu leiden, und manchmal ist es verständlich, dass wir das tun, denn das leid ist manchmal zu viel und es sollte einfach nur aufhören. aber der traum, der gewartet hat, wird schwächer und schwächer. er wird ewig warten, aber was passiert mit ihm, wenn wir einfach nicht begreifen, dass er noch da ist? wie ein altes blatt papier mit vergilbter tinte liegt er vergessen in irgendeiner schublade unseres bewusstseins.

heute ist ein ruhiger und so schöner morgen. und du hast das bewusstsein für den traum gerade geöffnet. nun geh in das zimmer, das du so selten betrittst. geh zum schreibtisch und öffne die schublade mit dem alten briefbogen. nimm ihn heraus und leg ihn nicht wieder zurück. nimm ihn mit zum küchentisch und leg ihn vor dich auf die tischplatte. betrachte die geschwungenen linien der schrift. es ist deine schrift, aber sie sieht anders aus als heute. sie steckt voll ruhiger kraft. leg deine hand auf das papier, schliess die augen und schau nach innen. unter der vergilbten, mit eleganten linien bedeckten oberfläche beginnt etwas zu arbeiten. ein flirren, ein leises wispern von stimmen, ein hauch meeresluft, ein lichtstrahl wie sonne auf den wellen

26.10.18

ich träumte von der wilden grünen see
doch ach nun bin ich aufgewacht
und sterblich bin ich geworden
das funkeln des ozeans bricht sich in meinen tränen
und nichts ist mir vertraut in dieser welt aus feuer und asche
ich halte den kopf hoch und zeige ihnen meine schmerzen nicht
was sie sehen, ist nicht die wahrheit,
ein konstruiertes bild einer mechanischen puppe
die lacht und weint und isst und schläft...


es war einmal vor langer zeit ein stern, der sich in den ozean verliebte. er sagte dem himmel adieu und sprang in die grüne see. er konnte nicht schwimmen und er ertrank, doch wo er starb, schufen die götter eine insel. atlantis, das funkeln im ozean. und man sieht es noch, in unseren augen, wenn das licht sich in unseren tränen bricht.

ewige liebe, über den tod hinaus, die liebe zum ozean, das heimweh nach dem himmel, das erbe des sterns.


was einst zerbrach, wird nicht mehr heil. einzig die erinnerung lindert unsere grausame qual.
wenn himmel und ozean sich in liebe umarmen, führt eine lichtspur zum himmel empor.
wie soll ich nun weiterleben, sagt die puppe, die gleichzeitig lächelt und weint
sagt mir, ihr götter, ihr sterne, sag du mir, du grüne see,
was soll ich nun tun?

15.01.18


Woman’s role in creation should be parallel to her role in life. I don’t mean the good earth. I mean the bad earth too, the demon, the instincts, the storms of nature. Tragedies, conflicts, mysteries are personal. Man fabricated a detachment which became fatal. Woman must not fabricate. She must descend into the real womb and expose its secrets and its labyrinths. She must describe it as the city of Fez, with its Arabian Nights gentleness, tranquility and mystery. She must describe the voracious moods, the desires, the worlds contained in each cell of it. For the womb has dreams. It is not as simple as the good earth. I believe at times that man created art out of fear of exploring woman. I believe woman stuttered about herself out of fear of what she had to say. She covered herself with taboos and veils. Man invented a woman to suit his needs. He disposed of her by identifying her with nature and then paraded his contemptuous domination of nature. But woman is not nature only.
She is the mermaid with her fish-tail dipped in the unconscious.

Anaïs Nin


12.11.17

strawberry shortcake


Sie hatte es tatsächlich geschafft, sich einen Tag freizunehmen. Nun war sie endlich am Meer, wie sie so oft geträumt hatte, sah endloses Grün, weisse Gischt, darüber den blauen Himmel und irgendwie war sie fast zu glücklich für einen allein. 
Ja, sagte sie. Ja.Ja.Ja.
Es klang so komisch, dass sie lachen musste. Und immer, wenn sie lachen musste, bekam sie Hunger. Ein kleiner Stand mit rotweiss gestreiftem Sonnenschirm befand sich direkt gegenüber der Mole, über die sie gerade gekommen war. Sie bestellte einen Erdbeerpie, den echten Strawberry Shortcake, zum Mitnehmen, und ass ihn, während sie am Strand entlangschlenderte. Der Junge vom Stand sah ihr nach und lächelte. Eine echte Meerjungfrau, sie braucht kein Kostüm, keinen falschen Fischschwanz, keine Glitzerketten, nichts. Die ist echt, dachte er. Keine Frage. Schon wie sie ging und immer ein bisschen zu nah am Wasser, als würde sie die See magnetisch anziehen. Anscheinend war ihr egal, dass ihre Schuhe dabei nass wurden. Sie hatte diese ungezwungene Art, die er bei Frauen so mochte, sie war selbstsicher, aber nicht auf diese aggressive Art, die moderne Frauen heute zur Schau stellen, wohl nur, um ihre Unsicherheit zu überspielen. Er dachte daran, wie ein Date mit ihr sein mochte. Und sah ihr lange nach, bis eine ungeduldige Kinderstimme ihn aus seinen Träumen riss. Eine kleine aufgetakelte Meerjungfrau, schon für die Mermaid-Parade aufgestylt, mit ihrer stolzen Mom im Schlepptau, die den Fotoapparat gezückt hatte, um jeden Schritt der Kleinen fürs Familienalbum festzuhalten. Natürlich musste er ebenfalls mit aufs Bild. Sein Lächeln fiel etwas dünn aus, aber er bemühte sich redlich, obwohl es ihm schwer fiel. Am liebsten hätte er den Stand im Stich gelassen und wäre der Frau von vorhin nachgelaufen, hätte irgendwo Blumen gekauft und wäre dann vor ihr gestanden, wie ein Schulkind, ausser Atem und verlegen. Wollen Sie mich heiraten? Er grinste. Sie würde wohl umkippen. Ich habe Sie vorhin zum ersten Mal in meinem Leben gesehen, und wollen Sie mich heiraten und mit mir viele kleine Meerkinder haben? Seltsam, aber es kam ihm plötzlich völlig normal vor, so zu handeln. Konnte gut sein, dass ihm der Wahnsinn, der hier ringsumher herrschte, langsam zu Kopf stieg. Eine neue Fähre legte an und entliess eine Woge von Tüll, Satin und bunten Bikinitops.

Die Mole war ein glitzernder Catwalk geworden, auf dem urbane Meerjungfrauen flanierten. Glitzerstaub flirrte in der Luft wie eine besonders schöne und tödliche Sorte von Feinstaub oder Smog, er wischte sich über die Augen. 
Barbiepuppen mit langem blondem Kunsthaar, viel nacktes gebräuntes Fleisch, einiges eindeutig falsch, Beachschönheiten mit perfekten Figuren. Aber keine Meerjungfrauen, dachte er und wunderte sich über sich selbst. Keine einzige echte Meerjungfrau. Bis auf die eine, die er heiraten wollte. Er fragte sich, ob die Ehe mit einer Meerjungfrau komplizierter sei als eine normale Ehe mit einer normalen Menschenfrau. Und wie die Kinder aussehen würden. Hübscher als Menschenkinder. Natürlich. Er lächelte einer Barbiepuppe in Blau und Silber unbewusst ins Gesicht und zuckte zusammen, als sie sein Lächeln strahlend erwiderte und Anstalten machte, näherzukommen. Sie würde sowieso nur eins dieser Lightprodukte bestellen, das ekelerregende Diät-Erdbeereis, das momentan so beliebt war. Sie war wie alle hier, vorhersehbar, geistlos und unsagbar langweilig. Als sie an den Stand kam, bediente sie sein Kollege und er war dankbar dafür. Er täuschte vor, sie zu spät gesehen zu haben und zuckte lächelnd mit den Schultern, als sie wieder ging und ihm einen bedauernden Seitenblick zuwarf, dann war sie schon in der Menge verschwunden, was er garantiert nicht bedauerte. Er sah sie 10 Minuten später auf der Mole für Fotografen posieren wie ein Model, es sah unsagbar bizarr aus, was sie da betrieb, denn sie hatte ihren Fischschwanz angelegt und hoppelte linkisch die Planken entlang wie ein gehbehindertes Kaninchen.

+++

Ein leichter Wind kam auf und brachte Salz und eine Spur Sand, wahrscheinlich tödlichen Glitzersand vom Meerjungfrauengestade, der ihn für immer blenden würde, wenn er ihn in die Augen bekäme. Es kam natürlich genau so, wie er es vorhergesehen hatte, eine gehörige Portion salziger Sand zusammen mit dem hell gleissenden Licht drang mitten in seine Augen, und in der Woge von Licht und Wind, der vom Meer kam, stand sie plötzlich vor ihm am Stand und lächelte ihn an, vielleicht hoffte er ja nur, dass sie es tat, sie schien jedenfalls zu lächeln. Im Moment konnte er eigentlich nur erkennen, dass es eindeutig sie war, er kannte ihre Umrisse, er hatte ihr ja lang genug nachgesehen, ihr Abbild geisterte noch immer auf seiner Netzhaut herum, als wäre er ein Spiegel, in den sie geblickt hatte. Er kam sich sagenhaft dämlich vor. Stand vor ihr und wischte sich Sand und Tränen aus seinen Augen, die sicher verquollen waren, als hätte er Heuschnupfen. Es war nicht zu fassen. Das Szenario, das er sich vorhin noch vorgestellt hatte, war plötzlich weit weg. Er, der Kavalier, der ihr wie in einem Kitschfilm Blumen überreichte und sie, wie sie erstaunt und ein wenig scheu nach den Blumen griff und dabei seine Hände berührte. Eine langfingrige Hand, die ein Papiertaschentuch hielt. Er sah staunend auf diese zarten Finger, sogar ihre Finger hatten etwas meerjungfrauenhaftes, sie waren schmal und elegant, sie trug einen goldenen Ring mit einem kleinen Seestern aus Türkis, der sich mit  ihrer warmen leuchtenden Haut in wunderbarer Harmonie verband. 
Ihr Handgelenk schmückte ein schmaler Goldreifen. Natürlich hatte sie keine Schwimmhäute zwischen den Fingern. Vielleicht wuchsen sie ihr erst im Wasser. Die bewundernswerte Hand wedelte nun nachdrücklich mit dem Taschentuch vor seinem Gesicht. Sah fast so aus, als würde jemand die weisse Fahne hissen, um zu signalisieren, dass er in Frieden gekommen war. Es war süss, wie sie vor seinem Gesicht herumwedelte. Vielleicht war er auch über und über mit Sand bedeckt, wer weiss. Er stellte sich vor, wie er aussah, ein kleines Häufchen Sand, und wie sie ihn gesehen hatte - die menschliche Sanddüne - und schon aus Mitleid herangekommen war, um ihm wieder seine menschliche Form zurückzugeben.

Sie war nicht sandig, natürlich nicht. Sie sah frisch aus wie gerade aus dem Wasser gehüpft.
Er nahm das Tuch an, murmelte verlegen seinen Dank und wischte sich den Sand aus den Augen.
Als er sie klar sehen konnte, war sein erster Gedanke: Die ist zu schön für mich. Die Schneekönigin entführt den kleinen Kai, nur dass diese hier nicht mit Eis und Schnee und Rentieren und einem Schlitten ankommt, sondern mit grünen Meereswogen, gleissendem Licht und Seepferdchen, die ihren Wagen ziehen. Meerschaum. Blinkende Wellen. Er sah sie an. 
Ihr Mund lächelte immer, er war an den Mundwinkeln hochgezogen, wie bei einem Delphin. Irgendetwas an ihr war anders als vorhin, als er sie zum ersten Mal gesehen hatte, doch genau konnte er es nicht sagen, es war eine subtile Veränderung, sicher nichts äusserliches.
Das Mädchen leuchtete von innen, als hätte sie Licht getrunken.

Fortsetzung folgt  (hoffentlich bald... die Muse muss mich wieder wahrnehmen und bestenfalls küssen!)

21.09.17




I have heard the mermaids singing, each to each.
I do not think that they will sing to me.
I have seen them riding seaward on the waves
Combing the white hair of the waves blown back
When the wind blows the water white and black.
We have lingered in the chambers of the sea
By sea-girls wreathed with seaweed red and brown
Till human voices wake us, and we drown.

T.S. Eliot, The Love Song of J. Alfred Prufrock



25.01.17

fangfrische fische


sie sass in der abflughalle gleich neben dem riesen panoramafenster und sah zu, wie die flugzeuge starteten und landeten. eigentlich sah sie nicht wie der typische flugreisende aus – die geschäftsleute, die rund um sie verteilt auf den orangen plastiksesseln sassen, mit ihren laptops auf den knien, handies am ohr, hatten sie auch ziemlich gemustert, als sie den gang entlang gekommen war, mit ihrem flatterkleid und dem grossen seesack aus buntgemustertem stoff, von dem sie noch nicht genau wusste, ob er im flugzeug wirklich in die ablage über ihrem sitz passen würde – die frau am schalter hatte gemeint, es würde sich knapp ausgehen, aber etwas zweifelnd gewirkt. ihr handgepäck war nun mal etwas mächtiger als das der anderen mitreisenden – sie warf einen kurzen blick rundherum – aktentaschen und kleine handtäschchen, die sie aus tiefstem herzen verabscheute. ihr seesack lag dick, breit und beruhigend auf dem sitz neben ihr. 

sie war gut drauf. die blicke der anwesenden kümmerten sie nicht im geringsten. leute starrten nun mal, daran war sie gewöhnt, und einschüchtern liess sie sich schon lange nicht mehr. ausserdem freute sie sich schon auf ihre freundinnen, die am anderen ende der welt auf sie warten würden. das hatten sie versprochen, sie hatten versprochen, dass sie sie am flughafen abholen würden. mit ihrem eigenartigen auto, von dem sie noch kein foto gesehen hatte, aber das...sie wußte es aus den briefen...recht auffällig sein sollte. ausserdem wurde dort links gefahren. auf der linken strassenseite, du meine güte...die küste entlang, so hatte kay gemeint, würden sie fahren, und dort stehenbleiben, wo es ihnen gerade gefiel. sie grinste. der mann ihr gegenüber blickte sie irritiert an und sie grinste noch mehr. er würde mal augen machen, wenn er sie alle zusammen sah, alle drei...

sie dachte an den ozean und an tausend bunte fische. dabei fiel ihr ein, dass sie hunger hatte. sie kramte in ihrem seesack nach essbarem, fand das gesuchte und biss mit scharfen zähnen in das rohe, rosarote stück fisch. ihre lunchbox hatte es in sich. roher fisch auf eis. klirrendes eis und rohes rotes fleisch. sie kaute genüsslich an ihrem fangfrischen kalten fisch, den sie noch kurz zuvor am markt gekauft hatte. es war gut, dass sie ihn schon jetzt zu sich nahm. ihr essen hielt sich nie besonders lang, man musste es frisch verzehren. fangfrisch sozusagen. der mann war aufgestanden und sah krampfhaft aus dem fenster. irgendwie machte er den eindruck, als wäre ihm übel geworden. sie sah ihn nur von der seite, aber ihr kam vor, als würde er würgen. wahrscheinlich einer von der sensiblen sorte, dachte sie mitleidig und beobachtete ihn weiter. er sah so aus, als könnte er nicht bis drei zählen. gemeiner gedanke, aber ein mann sollte anders aussehen, ein wenig mehr ..nunja...männlich vielleicht... überlebensfähig. der hier sah aus, als könnte er nur im grossstadtdschungel überleben und das auch nur solange es elektrischen strom gab. er hatte die typische hautfarbe eines büromenschen und wirkte übernächtigt und blutleer. sie biss ein grosses stück von ihrem fisch ab und überlegte. ein wenig wildnis und natur würden hier wunder wirken, zumindest hätte er dann eine erträgliche hautfarbe und mehr selbstbewusstsein.

er packte seine sachen zusammen, wobei er krampfhaft versuchte, nicht in ihre richtung zu sehen. seine gesichtsfarbe spielte ins grünliche. als er zur toilette ging, und zwar sehr schnell, wußte sie, dass er sich übergeben musste. ihr appetit war verflogen und sie packte den fischkopf, an dem noch einige fleischfetzen hingen, wieder in ihre hübsche lunchbox, wischte ihre hände an einem erfrischungstuch ab und seufzte vor sich hin. es war schon ein horror mit den menschen. sie waren alle so übersensibel geworden, und ununterbrochen wurden sie krank oder kränklich, so wie der mann von vorhin. wahrscheinlich kein kreislauf, zu wenig bewegung, zu wenig überlebenskampf, wenn man davon absieht, wie sie sich im nachtleben um einen platz am tresen balgten und um das vorrecht, die hübscheste frau im lokal abzuschleppen. eine schwache vorstellung männlicher stärke. wie so oft fragte sie sich, ob es noch echte männer gab. ein echter mann hätte sicher nicht so zimperlich auf ihr harmloses essen reagiert. zumindest hätte er sie gefragt, was um himmels willen sie hier trieb.
vielleicht wartete sie ja auf diese frage. sie würde ihm einiges von sich erzählen, aber sicher nicht alles...
bis zum abflug beobachtete sie die flugzeuge beim starten und landen, grosse jumbojets hauptsächlich. einer davon würde sie in seinem dicken bauch ans andere ende der welt verschleppen.

                               
sie spürte die beiden anderen schon, bevor sie sie sah. ein korridor voll mit menschen, die das licht schluckten und farben ausdämpften zu mattem grau. den seesack geschultert, ihren alten koffer in der hand, schlenderte sie hindurch und ihr kleid flatterte in der zugluft, die durch den grauschattierten korridor wehte. sie sah sie noch nicht, aber sie witterte ihre gegenwart, eine art frische und ein träumerisches blinzeln zweier grüngoldener augenpaare, ein kichern und flüstern wie im geäst von irischen bäumen, oder in dunklen teichen und quellen und manchmal auch ein angewidertes zischeln – das war kay, wenn ihr wieder mal ein mensch zu nahe gekommen war. mika lächelte gerade und nichts konnte sie von ihrer guten laune abbringen.  sie spürte mika lächeln und schritt schneller aus, drängte sich rücksichtslos an familien vorbei, die ihr im weg standen, drängte und schob sich durch grau und wieder grau – ein korridor so endlos lang wie ein wolkenverhangener herbsttag – sie fliegt heran hörte sie kay sagen, wie eine schwalbe die zum nest will. 
sie standen am fuß der rolltreppe, die zum ausgang führte. sie rannte. sie rannte so schnell sie konnte. wie in ultraviolettes licht getaucht standen die beiden in ihrer ursprünglichen gestalt vor ihr. nur für sie erkennbar, nur für ihre augen bestimmt, sah sie das geheimnis, über das sie nicht einmal mit dem liebsten ihrer liebhaber sprechen konnte oder wollte. 
mika sah so zufrieden aus, als hätte sie einen ganzen fisch verschluckt. sie strahlte, schüttelte immer wieder ihre hand, als wollte sie sie nicht mehr hergeben. kay murmelt pausenlos „das ist zu cool“ vor sich hin und sah ebenso wie mika völlig planlos aus. 

der mann, der sich in der abflughalle übergeben hatte, beobachtete die frauen mißtraurisch. er hätte nicht übel lust gehabt, sie anzusprechen, doch dann dachte er an die starren augen des fischkopfs, die ihn fixiert hatten, als die eine, die in seinem flugzeug – gottseidank einige reihen vor ihm – gesessen hatte, ihr sonderbares mahl verzehrt hatte, das ihn den letzten rest seiner nerven gekostet hatte. er wischte sich über die stirn. er schwitzte und ihm war wieder schlecht. das ganze mal drei, kam ihm in den sinn,  wenn schon eine zuviel ist. die frauen bewegten sich langsam zum ausgang, redeten und lachten, und er folgte ihnen, wobei er seinen schritt dem ihren angleichen mußte. er wollte nicht an ihnen vorbei gehen und die drei in seinem rücken haben. er ging gekünstelt langsam hinter ihnen her und fluchte stumm in sich hinein. deren selbstbewusstsein wollte er mal haben. so wie die redeten – und laut lachten...das sollte mal eine in seinem bekanntenkreis probieren, na die hätte dann ein kleines problem, dachte er und fühlte sich wieder eine spur besser. bis sich die eine, die er schon kannte, umdrehte und ihm ein wissendes lächeln zuwarf. dabei entblösste sie sehr spitze reisszähne und ihre augen schienen wahrhaft dämonisch zu funkeln. wahnsinnige, dachte er, das sind doch völlig verrückte weiber, die sollen mir bloß vom leibe bleiben. er fiel einige schritte zurück. so ging er mit gesenktem kopf hinter ihnen her, hinaus auf den parkplatz, wo er sich ein taxi nehmen wollte. dennoch mußte er geradezu nach ihnen ausschau halten – er wollte wissen, mit welchem auto sie gekommen waren. wahrscheinlich ein vw käfer, dachte er, oder sonst irgendein kleinwagen, doch das, was dann an seinen augen vorüberzog wie ein gewaltiges schiff,  mit hoch aufragenden finnen, glänzend und riesengross, riß ihm das spöttische grinsen vom gesicht. verdammt, dachte er, verdammt, verdammt, verdammt....


der mächtige chevrolet folgte der gewundenen küstenstrasse. wie ein gewaltiger fisch, glatt und glänzend, zog er ruhig seine bahnen, während die meerjungfrauen in seinem inneren lachten und erzählten. über dem spiegel hingen ketten aus muscheln, treibholz und perlen, im handschuhfach befanden sich getrocknete algen und hummerchips, im kofferraum kistenweise flaschen mit meerwasser und fangfische fische, diesmal nicht vom markt....

ihre nassen, salzigen haare trockneten im wind. der ozean reichte bis zum horizont. sie ebenfalls.

  

11.10.16

ich vermisse euch. wie eine pflanze den regen vermisst.





ob es uns noch gibt? vielleicht sollte man die frage nicht laut stellen. vielleicht ist es ein fehler, überhaupt solche fragen zu stellen, zu zweifeln. du könntest gleich als nächstes fragen, ob es das meer noch gibt, oder den mond.manchmal sieht man den mond eben nicht, weil sich wolken davor schieben. ist er deshalb verschwunden? wenn sich das mondlicht dann wieder durch die wolkenschichten bahnt, ist es umso schöner als wenn man es ohnehin immer sehen kann. vergiss also die frage. es gibt uns noch. und es sieht für uns nicht schlecht aus. vielleicht gibt es uns für immer. ich muss an unser haus am meer denken. an die vielen namen, die es schon hatte. mermaid tavern. sirenenfelsenhaus. blueberry hollow.

in der letzten zeit beginne ich wieder, euch zu suchen. gut, ich weiss, wo ihr seid, aber das meine ich nicht damit. ich suche euch überall, als hättet ihr der natur euren atem eingehaucht. ihr seid überall. im himmel, im wasser, in den blütenblättern, im mond. und natürlich im meer, das vor allem. ich weiss, dass unsere träume wie regen sind. ohne sie verdorrt die welt. sie trocknet aus, wird zur wüste, zum öden leeren ort.
ich vermisse euch. wie eine pflanze den regen vermisst.




24.05.15

grüner kristall


"was bedeutet das meer für dich?", hatte sie gefragt und er hatte sie perplex eine zeitlang nur angesehen, so spontan war die frage gekommen, mitten beim dessert. sie waren essen gewesen, es war ein gelungener abend gewesen, mit kerzenlicht und allem, was dazugehörte. als das dessert vor ihnen stand, hatte er zugelangt wie ein firmling, obwohl er überhaupt keinen hunger mehr verspürte, sie aber hatte eine zeitlang aus dem fenster gesehen und vor sich hingesonnen. gar nicht ihre art. bei süssigkeiten konnte gerade sie sich nicht lang zurückhalten, aber sie war dagesessen, hatte ihr spiegelbild in der scheibe betrachtet, und sie hatte überlegt. lange überlegt.


sie hatte ihn danach merkwürdig angesehen. ein anflug von melancholie lag auf ihrer stirn, und sie hatte traurige augen, die im licht der kerzen sehr dunkel waren. man konnte das bernstein in ihren augen gar nicht mehr sehen, so dunkel waren sie plötzlich geworden. er verstand die frage wohl, aber nicht den grund für ihre plötzlich auftretende traurigkeit. der abend war vergnügt gewesen, sie hatten viel gelacht und bestens gegessen, als warum sollte sich ganz plötzlich ihre stimmung ändern? mit einem schlag. als würde eine kalte, traurige welle über sie hereinbrechen, sie überschütten mit grünem kristall.
wie kam er auf diesen ausdruck? grüner kristall.
kalter grüner kristall mit winzigen luftbläscheneinschlüssen, wie glas, dickes, schweres grünes glas, etwas, das den blick bannt. etwas faszinierend schönes. altes. uraltes.
"wer kennt den anderen schon wirklich", hatte er gedacht und eine leichte gänsehaut hatte sich auf seinen unterarmen gebildet. man lebt mit einem menschen jahrelang zusammen, aber dass man ihn dann kennen würde, kann man nicht wirklich behaupten.
er versuchte, auf ihre frage, die neue stimmung einzugehen, er dachte an den ozean und dass er ihm viel bedeuten würde, ja, aber nicht so viel wie ihr, das konnte er schon jetzt sehen. dass sie mit seiner antwort nicht wirklich zufrieden sein würde.


als er von seiner kindheit erzählte, dass er mit seinen grosseltern immer am meer urlaub gemacht hatte, als die familie noch grösser war - er hatte tatsächlich gesagt, als wir noch alle beisammen waren, neigte sie den kopf, so leicht, beinahe unsichtbar, als würde eine königin einem von ihren untertanen zuhören und ihn auch verstehen, obwohl er ihr hemmungslos unterlegen war, aber sie nahm seine worte entgegen. lächelte. das traurigste lächeln der welt, dachte er, als wäre jemand gestorben und man würde sich an ihn erinnern, bei gesprächen und einem glas wein, als gelte es, einem geliebten verstorbenen seine aufwartung zu machen, ihn noch einmal zu fühlen, seinen geist, seine aura, bevor man ihn wieder gehen liess, bis zum nächsten mal.
die gänsehaut hatte sich inzwischen schon auf seinem rücken breitgemacht.


die leute im lokal hatten begonnen, sie anzustarren. auf eine merkwürdige art und weise. seine frau war sehr attraktiv und leute starrten immer, aber dieses mal...es war berührend und beängstigend zugleich. sie starrten, als würden sie etwas sehen, was sie nicht ertragen konnten. fassungslos. die frau am nachbartisch hielt ihr weinglas in der hand, in der bewegung zum mund festgefroren. das glas kippte leicht und einige tropfen rotwein landeten auf der weissen tischdecke, was sie jedoch nicht bemerkte. normalerweise amüsierte er sich prächtig, wenn anderen frauen seine frau anstarrten und irgendwie genau studierten, wie es eben nur frauen untereinander machten, aber diesmal war ihm nicht zum lachen zumute. eher im gegenteil. mit einem mal verstand er, dass er sie nie wirklich für sich gehabt hatte. dass sie frei war, niemandes frau, ohne bindung, ohne bezug zu seiner welt, er verstand, dass sie fremd war, wie ein alien, nicht unter ihresgleichen. etwas unsagbar kaltes ging von ihr aus, nicht die kälte eines leichnams, sondern kälter. von natur aus eiskalt. kalt wie ein fisch.
sie redete mit ihm und er verstand kein wort. sie war zu wundervoll, als sie so dasass, ihr das blonde weiche haar wie ein vorhang übers gesicht fiel, als sie sich vorbeugte, wie sie lächelte und wie ihre augen dabei traurig blieben. er glaubte nicht daran. wollte nicht daran glauben. er war kein kleines kind mehr. er konnte den gedanken nicht mal richtig zu ende denken, weil er sich vor sich selbst geschämt hätte, dass die frau, die er liebte, in dieser nacht zu einem wesen mutiert war, das es nur in mythen und legenden gab. wenn er ehrlich war, hatte es diese phasen schon einige male gegeben, nur nie so offen, nie so traurig und eindeutig. es war eine dieser nächte, in der sie stiller wurde, mehr für sich blieb, in der sie endlos draussen im garten war oder im mondlicht vor dem haus sass, träumend. verloren. ja, sie war völlig verloren. und sie war so schön, dass sie sie in stücke gerissen hätten, nur um sie zu besitzen. einen teil von ihr, und ihn am herzen zu tragen, als glücksbringer, als liebespfand, als kleine, traurige reliquie. einer meerjungfrau. einer magischen kreatur.

er wusste, dass ihre augen wie grüner kristall leuchteten. er hatte es schon gesehen, aber er wollte es nicht sehen, nicht verstehen. nie und nimmer. dass sie teil einer alten welt war und er nicht. dass sie heimweh verspürte, die er, obwohl er sie so schrecklich liebte, nie fortnehmen konnte, egal, was er tat. es würde immer zu wenig sein. er betrachtete seine traurige frau lange, griff über den tisch und nahm ihre kalte hand in seine. sie sah auf und da war es wieder, das funkeln, das grün, wie die wilde grüne see.


"was mir das meer bedeutet", sagte er schliesslich, und sie sah ihn stumm an. "es ist mein leben."
sie drückte seine hand, setzte zum reden an und brachte kein wort heraus. so sassen sie da, im zentrum der aufmerksamkeit und waren trotzdem wie auf einer insel, zu zweit.

er wusste nur, dass er sie liebte. es war alles, was er ihr geben konnte.
vielleicht war es ja doch genug.

27.07.14

fundstuecke

spaziergang bei kaltem wind | eisgrüne wellen, am grund blutrot, wohl eine spiegelung der sonne, die durch ein verästeltes netzwerk von wolkengebilden leuchtet, die sonne selbst wirkt kalt



treib-holz ..
glas-sand ..

hohle knochen ..
windharfen ..
schnappscheren ..
jodgelbe verbände ..
pflaster ..
blutiger mull

meerschaum wie das blut das lungenkranke husten
rosig, frostig 
brechreizerregend


es ist heute so kalt
manchmal ist es traurig hier draussen
wenn man in diesen seltenen momenten der klarsicht bemerkt, dass man nie etwas begriffen hat
vielleicht weil man es nicht wollte



ich höre die meerjungfrauen nicht mehr


08.02.14

The difference between my darkness and your darkness is that I can look at my own badness in the face and accept its existence while you are busy covering your mirror with a white linen sheet. The difference between my sins and your sins is that when I sin I know I'm sinning while you have actually fallen prey to your own fabricated illusions.

I am a siren, a mermaid; I know that I am beautiful while basking on the ocean's waves and I know that I can eat flesh and bones at the bottom of the sea. You are a white witch, a wizard; your spells are manipulations and your cauldron from hell yet you wrap yourself in white and wear a silver wig.  

- C. JoyBell C

08.03.12

Even lovers drown ...

 

“A mermaid found a swimming lad,
Picked him for her own,
Pressed her body to his body,
Laughed; and plunging down
Forgot in cruel happiness
That even lovers drown.
”



         William Butler Yeats, “The Mermaid”



18.12.11

Cast your eyes on the ocean
Cast your soul to the sea
When the dark night seems endless
Please remember me


Dante's Prayer
Loreena McKennit

29.05.11

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vorhin noch blossfüssig über den sandstrand gelaufen, die winzigen körnchen vermischen sich mit dem salz des wassers und dem leichten schweiss (seit wann können wir eigentlich schwitzen? ein gedanke, der mich einigermassen amüsiert) und irgendwann einfach stehengeblieben als es zu schön wurde, um den anblick zu geniessen. im leichten wind, der die haare trocket, am besten ausblickspunkt, auf der klippe, darunter das weite meer (war es immer so weit oder ist meine wahrnehmungsfähigkeit gewachsen?...egal, aber irgendetwas hat sich ausgedehnt..wahrscheinlich sieht die seele jetzt besser, nach dieser schwierigen zeit..nennen wir sie mal so) --

das zerbrochene, kaleidoskopartige war wunderschön, doch manchmal vermischte sich zu viel rot, zu viel frisches blut mit den farben. lieber sind mir blau, grau und grün, und es geht auch ohne frische schnitte, aus denen blut rinnt und ohne violettschwarze blutergüsse

aber mein altes kaleidoskop ist immer noch bei mir, es liegt im mermaid's inn alias blueberry hollow auf dem alten schreibtisch am fenster. neben den muscheln, die du mir damals mitgebracht hast. weisst du noch? als ich lachte und meinte, woher hast du diese exotischen muscheln, die gibt es bei uns doch gar nicht. dein breites grinsen und die antwort was meinst du, wie weit ich dafür geschwommen bin?

es hat sich viel verändert. seltsamerweise zum positiven. der weg dorthin ist aber nicht wirklich amüsant zu nennen. und ok, ich sollte die stirn nicht immer so kraus ziehen, ich könnte sonst wirklich mal falten bekommen *beginnt zu lachen und kann gar nicht mehr aufhören*

13.04.11

gedankenbrief an micha und anika geschrieben. wieder das gefühl gehabt, als wäre ich eigentlich gar nicht hier, sondern am meer, irgendwo an der küste des meeres, bei nacht, und würde auf das sternengeglitzer über dem meer schauen. war glücklich. kurz, aber doch.

22.10.10

wenn träume real werden...sterben sie?

logbuch

ist es nicht seltsam, dass man, wenn man träume wahr macht, diese träume für immer verliert? vielleicht ist es gar nicht mal so seltsam. bei mir war es immer das meer. ich habe nicht gemerkt, dass ich mich nicht nach einer bestimmten, hier bekannten destination sehne. ich verband die träume immer mit den wunderschönen bildern, die ich oft im netz betrachte, und irgendwann machte ich diese träume daran fest. ich dachte, ja.. dorthin fahren.. und dann habe ich einfach alles, was ich möchte. ich war in cornwall, diesen sommer. geträumt habe ich ja genug davon. ich war dort und war ernüchtert. es ist eine traumhaft landschaft, ja. noch schöner als auf den bildern. und trotzdem: ich war oft in diesem zimmer mit dem besten ausblick (man kann von dort aus direkt auf's meer sehen), habe geschaut und geschaut..und es war nichts da. gar nichts. weder in mir noch da draussen, denn ich bin meist der spiegel einer landschaft. und ich wollte weinen, doch es war auch das unmöglich. ich wurde müde vom schauen und warten. so habe ich sehr viel geschlafen, in diesem cottage am meer. oft ganze nachmittage lang, nur geschlafen.
cornwall war einer dieser träume, die irgendwann an substanz verloren, als sie real wurden. es war einfach nur schön. doch ist einfach nur schön genug für das, was ich erwartet hatte?

jetzt bemerke ich, dass sich ein traum wieder in den vordergrund drängt, als hätte er gewartet, dass ich bestimmte dinge erlebe, um sie danach in eine der vielen schubladen in meinem hinterkopf zu verbannen, wie so viele wahrgemachte wünsche, die diesem wunsch, cornwall einmal zu sehen, vorangegangen sind. ich beginne, mich wieder auf den ursprünglichen traum einzustellen. er wird gröser, gewinnt an substanz und stärke.

ich sehe ein kleines haus an der küste des meeres. nicht irgendeine küste, wie ich jetzt weiss. und nicht irgendein haus. ich sehe keine lebende seele, doch ich kann mädchenlachen hören. vom meer her kann ich sie hören, und wenn ich mich wirklich auf diesen traum einlasse..ist es gefährlich, sich darauf einzulassen? ist der traum selbst gefährlich?...ich weiss es noch nicht, aber ich werde es sicher herausfinden...wenn ich mich darauf einlasse, sehe ich im licht, das auf den wellen blitzt, etwas, das wie menschliche wesen aussieht. ganz weit weg, doch ich denke, sie sind real, sie müssen es sein, ich muss real sein, ich muss wieder real werden. jetzt komme ich zum punkt. ich muss real werden. wieder ich selbst. fühlen können. nicht diese leere spüren, die sogar verhindert, dass man weinen kann.

ich möchte tief schlafen, in diesem haus an der küste. in den weissen laken aufwachen und durch das kleine fenster sehen, das zum meer hinausgeht. ich möchte die spur von kleinen füssen sehen, die zum wasser hinabführt. und die das meer verwischt. ich möchte nach hause.

ich sehe zu den mädchen hinüber und fühle erleichterung, als hätte ich schmerztabletten genommen. die absenz von schmerz bzw. leid. ein aufatmen.
ist es nicht so, dass der gesang einer meerjungfrau nicht nur in den tod lockt, sondern auch heilen kann?