22.10.10

wenn träume real werden...sterben sie?

logbuch

ist es nicht seltsam, dass man, wenn man träume wahr macht, diese träume für immer verliert? vielleicht ist es gar nicht mal so seltsam. bei mir war es immer das meer. ich habe nicht gemerkt, dass ich mich nicht nach einer bestimmten, hier bekannten destination sehne. ich verband die träume immer mit den wunderschönen bildern, die ich oft im netz betrachte, und irgendwann machte ich diese träume daran fest. ich dachte, ja.. dorthin fahren.. und dann habe ich einfach alles, was ich möchte. ich war in cornwall, diesen sommer. geträumt habe ich ja genug davon. ich war dort und war ernüchtert. es ist eine traumhaft landschaft, ja. noch schöner als auf den bildern. und trotzdem: ich war oft in diesem zimmer mit dem besten ausblick (man kann von dort aus direkt auf's meer sehen), habe geschaut und geschaut..und es war nichts da. gar nichts. weder in mir noch da draussen, denn ich bin meist der spiegel einer landschaft. und ich wollte weinen, doch es war auch das unmöglich. ich wurde müde vom schauen und warten. so habe ich sehr viel geschlafen, in diesem cottage am meer. oft ganze nachmittage lang, nur geschlafen.
cornwall war einer dieser träume, die irgendwann an substanz verloren, als sie real wurden. es war einfach nur schön. doch ist einfach nur schön genug für das, was ich erwartet hatte?

jetzt bemerke ich, dass sich ein traum wieder in den vordergrund drängt, als hätte er gewartet, dass ich bestimmte dinge erlebe, um sie danach in eine der vielen schubladen in meinem hinterkopf zu verbannen, wie so viele wahrgemachte wünsche, die diesem wunsch, cornwall einmal zu sehen, vorangegangen sind. ich beginne, mich wieder auf den ursprünglichen traum einzustellen. er wird gröser, gewinnt an substanz und stärke.

ich sehe ein kleines haus an der küste des meeres. nicht irgendeine küste, wie ich jetzt weiss. und nicht irgendein haus. ich sehe keine lebende seele, doch ich kann mädchenlachen hören. vom meer her kann ich sie hören, und wenn ich mich wirklich auf diesen traum einlasse..ist es gefährlich, sich darauf einzulassen? ist der traum selbst gefährlich?...ich weiss es noch nicht, aber ich werde es sicher herausfinden...wenn ich mich darauf einlasse, sehe ich im licht, das auf den wellen blitzt, etwas, das wie menschliche wesen aussieht. ganz weit weg, doch ich denke, sie sind real, sie müssen es sein, ich muss real sein, ich muss wieder real werden. jetzt komme ich zum punkt. ich muss real werden. wieder ich selbst. fühlen können. nicht diese leere spüren, die sogar verhindert, dass man weinen kann.

ich möchte tief schlafen, in diesem haus an der küste. in den weissen laken aufwachen und durch das kleine fenster sehen, das zum meer hinausgeht. ich möchte die spur von kleinen füssen sehen, die zum wasser hinabführt. und die das meer verwischt. ich möchte nach hause.

ich sehe zu den mädchen hinüber und fühle erleichterung, als hätte ich schmerztabletten genommen. die absenz von schmerz bzw. leid. ein aufatmen.
ist es nicht so, dass der gesang einer meerjungfrau nicht nur in den tod lockt, sondern auch heilen kann?

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

die erfüllung eines traumes kann heilung bedeuten. deshalb schläft man dann einfach durch, weil man so lange nicht mehr geschlafen hat. weil das zuhause ist, wo man sorglos schlafen kann. man muß die türe nicht hindurchgehen, ins wasser. aber heilung kann sich manchmal anfühlen wie der tod. der körper schaltet auf leerlauf und tief innendrin wird etwas unendlich kleines wieder ein wenig ganzer. hab keine angst vor dem tod, lila. der ist nicht nötig. ich glaube, ankommen kann wirklich eine leere bedeuten - gerade weil sich der traum in die welt vor einem ergießt. aber es bringt auch ein stückchen frieden mit sich, selbst wenn der traum nicht mehr verfügbarim kopf ist, sondern selbständig weiterlebt, außerhalb von einem. denn nun kann er einen anfassen und mit einem echten mud reden. in der welt um dich herum. :)
nuala

LilaCat hat gesagt…

du hast etwas von einer meerjungfrau. ganz ehrlich, gerade hab ich es gefühlt. du könntest einer aus dem wasservolk sein. denn du kannst gut heilen. du kannst auch gut zerstören. genau so wie wir. weisst du...es ist ja nicht wirklich nötig, einer aus dem wasservolk zu sein..man muss nur eine art...hmmm..naturwesen sein. dann klappt es mit der verständigung eigentlich immer. das einzige, was immer stört, ist, wenn der lärm des menschl. alltags alles überdröhnt, was man an schönem zu geben hat. was ich aus meiner eigenen erfahrung kenne. leider.

als ich diesen text schrieb, war ich einfach nur todmüde. vom alltag geschwächt, und ganz fern von mir selbst. so wie auch in cornwall. du hast es ganz richtig erkannt, ich war krank. du hast es erkannt, bevor ich es erkannt hab. ich denke, wenn ich diese landschaft erlebe und gesund bin, dann kann ich auch wieder fühlen.

ausserdem war es wirklich seltsam. es war überhaupt kein normaler schlaf. es war ein fallen in einen dunklen schacht. es war ein angenehmes fallen, aber auch unheimlich. wahrscheinlich schon so nahe am tod, dass es deshalb unheimlich wurde. das heisst nicht, dass ich sterben hätte können, aber es war eben ein schlaf, der ganz dunkel und tief war. so wie man den tod beschreibt. eigentlich ein schöner zustand. nicht schrecklich. denn das erwachen gibt es, sowohl im schlaf als auch im tod. davon bin ich überzeugt. ich glaube, dass man aufgeweckt wird, wenn man tot ist, oder von selbst aufwacht und dann total erfrischt ist. und ich hoffe und bete, dass mein erster anblick dann das meer ist. und azrael, klar. wer sonst könnte mich dazu bringen, so positiv über den tod zu denken?

ich hab keine angst vor dem tod, nuala. nur wenn ich vom alltag verwirrt bin und deshalb nicht mehr weis, was sache ist, dann kommen solche dummen gefühle auf..aber es ist selten und ich möchte dagegen ankämpfen.

danke für deine wunderbaren worte. ich hab sie oft gelesen. sie haben mir die augen geöffnet und mich zurückgebracht. nach hause. weisst du, was ich glaube? dass wir nach dem tod auch freunde sein werden.

Herzkönigin hat gesagt…

ich träumte einmal von heimat und vom reisen. und dann kam dieser eine tag. ich saß mit zwei dicken busfahrern und einer bekannten in einem alten großen bus der über staubige straßen fuhr und immer wieder einmal anhielt und ein paar beduinen die sich in mir fremder sprache unterhielten und hinter ihren tüchern dunkle augen sichtbar waren. in diesem bus fuhren wir einfach nur immer weiter in das fremde land hinein von dem ich nie geträumt hatte. wir hielten an einer tankstelle, zwei zapfsäulen nur und männer mit dicken bäuchen und fleckigen shirts und staubigen füßen. dort auf den mit öl befleckten ort, dort wo man in die weite schauen konnte und nur ockerfarbene weite sah, dort sah ich es aufeinmal. nasse fußspuren im sand, ein mädchen mit nassen lockigem haar, kinderlachen, blauer himmel. dort draußen, am entferntesten ort der welt von allen träumen, dort draußen fand ich das gefühl von heimat.

LilaCat hat gesagt…

danke, liebe frau nachbarin.:) ich kann mir vorstellen, dass man sich in so einem moment einfach nur ganz fühlt.