27.07.18

lilas haus, obergeschoss

logbuch | ein text aus dem alten forum, von winter, frau holle und der ewigkeit.


es schneit. die flocken fallen vom himmel,  als wäre das märchen von frau holle wahr geworden, und als wäre sie dort oben in ihrem haus, ebenfalls im obergeschoss, und würde ihr bettzeug ausschütteln. stundenlang...

sie muss sehr viele betten haben oder unmengen an bettzeug - ihre wäschetruhe muss immens sein.
der geruch von frischer farbe ist inzwischen verflogen. leider. farbe riecht normalerweise ziemlich streng, doch diese hier hat eindeutig nach brombeere gerochen und nach ein wenig blattgrün zuerst, als sie die wände noch grün hatte. brombeere ist es schliesslich doch geworden, aber die jahreszeiten ändern sich und mit ihnen auch das aussehen der zimmer. sie dachte gerade daran, ihre zimmer immer den jahreszeiten anzupassen. nette idee, aber vielleicht würde sie sie auch so belassen. sie fühlte sich inzwischen schon richtig heimisch, daran konnte auch die virtualität des hauses nichts ändern. alles war...wie in ihrem echten haus, das sie sich wünschte. manchmal dachte sie, es würde tatsächlich schon auf sie warten, irgendwo da draussen, ans ufer eines flusses geschmiegt, ganz nah am wasser, nur ein paar schritte entfernt. mit diesem irren, geheimnisvollen garten, den alten bäumen und den Liedern der jahreszeiten, denen sie lauschen würde, stetig und endlos, sorglos, frei.
endlich frei. frei zu sein ist erst möglich, wenn man aufhört, darüber nachzudenken, kam ihr in den sinn, und so gesehen sind wir wohl alle unfrei, denn wir reden ununterbrochen davon, und träumen davon, von der freiheit, doch wer wirklich frei ist, ist es einfach, und er denkt wohl nicht darüber nach, und träumen...wovon träumen freie wesen? was kommt nach der freiheit, wenn man seinen traum endlich lebt? erfüllung wahrscheinlich.

früher hatte sie immer angst gehabt vor dem ende der träume, doch jetzt war sie sich mit einemmal nicht mehr so sicher. gut, sie hatte das ganze wohl eher negativ gesehen - das ende der träume wäre dann das ende der poesie, der musik und kreativität gewesen, also eigentlich der untergang der welt, die apokalypse, das verschwinden im grau, die auflösung und auslöschung.

dass es da noch einen positiven aspekt geben könnte, war ihr damals nicht eingefallen. das ende der träume ist die erfüllung derselben. und was kommt dann? endlose erfüllung und zufriedenheit. sie wünscht es sich, und die endlosigkeit sieht auf einmal so freundlich aus, heimelig, und so gar nicht schrecklich.wer endlos sein möchte, denkt sie, muss herausfinden, wie er dieses endlose leben verbringen möchte, wie er endlosigkeit ertragen könnte, ohne daran zu zerbrechen.man muss die wärme des herdfeuers in sich finden, das nachhausekommen,das zurückfinden in sein haus. und es muss schon hier geschehen! das ist wichtig, denkt sie - das haus muss schon hier gestalt annehmen, es muss ein festes fundament bekommen und dicke mauern, die das wesen dahinter schützen und bergen, wie den kern in einer nussschale.

wovon träumt jemand, der frei lebt? sie denkt, dass dann erst platz frei wird für die richtigen träume,
die sich dann unbelastet an die oberfläche des bewusstseins drängen. man wird sehen....